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Whiskyverkostung: Talisker Distillers Edition

Absoluter Spitzenwhisky


Bewertung

Talisker Distillers EditionHallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei. Also lasst uns anfangen:

► Brennerei ◄

Talisker ist die einzige Destillerie auf der Insel Skye, eine ungestüme Landschaft mit steil aus dem Meer herausragenden Klippen, erloschenen Vulkanen und hohen Bergen zwischen denen sich die Täler hindurchfressen. Sie ist die größte Insel der inneren Hebriden und liegt direkt vor der Westküste des schottischen Festlands.

Gegründet wurde sie 1831 von den beiden Brüdern Hugh und Kenneth MacAskill, die sie nach einem Anwesen, dem wenige Meilen entfernten Talisker House benannten. Die Brennerei verschliss anschließend viele ihrer Besitzer, die entweder Pleite gingen, starben oder einfach nur schlechte Brenner waren. Dies hat dem Ruf der Brennerei jedoch nicht geschadet. Im November 1960 brach ein Feuer in der Produktionsstätte aus, die jedoch 1962 wieder originalgetreu aufgebaut wurde um den ursprünglichen Geschmack des Whiskys beizubehalten. Heutzutage gehört sie zu einem der größten Spirituosenkonzerne der Welt: Diageo.
Die Destillerie selbst, liegt direkt am Loch Harport, also etwas entfernt vom oft stürmischen Meer.

Trotzdem spiegeln die Talisker Whiskys meist die raue Insel, auf der sie gebrannt werden, wieder. Die beiden Spirit Stills der Brennerei besitzen einen u-förmigen Lyne Arm und einen Purifier der den Rückfluss erhöht. Dies sorgt dafür, dass besonders viele Aromen im Whisky erhalten bleiben und wir können so auf einen sehr vollen und intensiven Charakter hoffen.
Zudem wird das Malz für diesen Whisky über einem Torffeuer gedarrt und bringt so eine ordentliche Menge Rauch in den Whisky.
Zudem ist der Whisky bekannt für seine pfeffrige Schärfe (auch Chili-Catch gennant) und intensive, rauchige Art, die sich durchaus mit den wohl bekannteren Vertretern der Insel Islay messen kann

► Der Whisky ◄

Die Talisker Distillers Edition zeichnet sich dadurch aus, dass der Whisky doppelt gereift wurde. Zuerst in, für die Brennerei, konventionellen Ex-Bourbon Fässern und anschließend in Amoroso Sherry Fässern. Amoroso ist ein sehr wuchtiger, schwerer, cremiger Sherry mit dunkelbrauner Färbung, die letztendlich auch zur schönen Färbung dieses Whiskys beiträgt. Wie lange jedoch in diesen nachgereift wird ist mir nicht genau bekannt, typisch wären etwa 6 Monate (bei first fill Sherry Casks) bis 24 Monate (bei 2nd oder 3rd fill Sherry Casks).
Die Nachreifung, nimmt den Talisker typischen würzig, scharfen Brennereigeschmack etwas heraus, fügt dafür aber dem Malt die feinen Sherryaromen zu und sorgt so für eine Komplexität die seines Gleichen sucht. Abgefüllt wird der Whisky mit anständigen 45,8%, was ihn deutlich in seinem kräftigen und intensiven Geschmack unterstützt.

Zu erwähnen ist noch das die Talisker Distillers Edition jedes Jahr in einem neuen Jahrgang erscheint. Dies hat zur Folge das zwischen den Jahrgängen unterschiedliche Aromen und Geschmäcker verschieden stark ausgeprägt sein können. Der Grundtenor dieses Malts wird aber grundsätzlich versucht so gut wie möglich erhalten zu bleiben. Ich probiere und schreibe hier über den Jahrgang 2002 der 2013 in die Flasche gefüllt wurde.

► Farbe ◄

Würde ich als Mischung aus dunklem Bernstein und einer recht jungen, etwas helleren Kastanie beschreiben

► Aroma ◄

In der Nase tritt er mit einer kräftig, würzigen Schärfe an die begleitet vom deutlichen Rauch und dem eher jungem Alter, eine schöne Lebendigkeit in den Whisky bringen. Anschließend drängt sich langsam die immer deutlich werdendere Sherrysüße in den Vordergrund. Hierbei schwingt der Duft von Zwetschgen und sehr reifen roten Trauben mit. Auch ein feiner Geruch von Sultaninen ist zu erahnen. Nebenher werden diese Aromen von einer anhaltenden Würzigkeit begleitet.

► Geschmack ◄

Überwältigend tritt dieser Whisky auf die Zunge, zuerst verbreitet er sich angenehm cremig mit leichter Süße im Mund, um anschließend umso kräftiger mit seiner vollen Pfeffrigkeit und Würze einzuschlagen. Ist dieser Geschmack etwas verarbeitet, kommt eine schöne fruchtige Sherrysüße hinterher. Die Würzigkeit und Schärfe verfliegt über den gesamten Zeitraum den man den Whisky im Mund behält nicht. Insgesamt eine wunderbare Woge aus süß und trocken, wobei die Süße immer leichten Vorsprung hat. Der Rauch ist ebenfalls vorhanden wird jedoch wunderbar in diese Fülle von Geschmäckern eingebracht und sticht so nicht sonderlich hervor.

► Abgang ◄

Nach dem Schlucken breitet sich noch einmal eine stärkere Würzigkeit im Mund aus, wohl die Art dieses Whiskys auf Wiedersehen zu sagen. Langsam schwindet die Schärfe und während er langsam und wärmend die Speiseröhre hinabrinnt, breiten sich im Mund Geschmäcker von Kakao, Schokolade und erdigem Torf aus. Ein sehr langer und eindrucksvoller Abgang!

► Fazit ◄

Der Talisker Distillers Edition gehört einfach zu meinen absoluten Lieblingen. Er ist wunderbar voll, komplex, würzig, intensiv und sehr gut ausbalanciert was Brennereicharakter und Fassreifung angeht. Die Nachreifung im Sherryfass bändigt wunderbar den in der 10-jährigen Ausführung sehr ungestümen und wilden Whisky und macht ihn zu einem Genuss für Nase und Geschmacksnerven. Dieser Whisky wird einfach nie langweilig und ich freue mich jedes Mal wieder darauf ihn zu probieren. Empfehlenswert ist er für jeden der schon einige Whiskys probiert und auf der Suche nach kräftigen, intensiven und rauchigen Malts aus dem Sherryfass ist. Der Preis ist für diesen Whisky absolut angemessen und wer das Geld ausgeben möchte macht hier auf jeden Fall nichts falsch.
Absolute und uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Wer es lieber kräftiger und ungestümer möchte, der sollte sich den Talisker 57° North anschauen 🙂

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen(vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

2 Kommentare zu “Whiskyverkostung: Talisker Distillers Edition

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