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Whiskyverkostung: Talisker 57° North

Verkörperung eines Talisker Whisky


Bewertung

Talisker 57° NorthHallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei. Also schauen wir uns den Talisker 57° North geanauer an:

► Brennerei ◄

Talisker ist die einzige Destillerie auf der Insel Skye, eine ungestüme Landschaft mit steil aus dem Meer herausragenden Klippen, erloschenen Vulkanen und hohen Bergen zwischen denen sich die Täler hindurchfressen. Sie ist die größte Insel der inneren Hebriden und liegt direkt vor der Westküste des schottischen Festlands.

Gegründet wurde sie 1831 von den beiden Brüdern Hugh und Kenneth MacAskill, die sie nach einem Anwesen, dem wenige Meilen entfernten Talisker House benannten. Die Brennerei verschliss anschließend viele ihrer Besitzer, die entweder Pleite gingen, starben oder einfach nur schlechte Brenner waren. Dies hat dem Ruf der Brennerei jedoch nicht geschadet. Im November 1960 brach ein Feuer in der Produktionsstätte aus, die jedoch 1962 wieder originalgetreu aufgebaut wurde um den ursprünglichen Geschmack des Whiskys beizubehalten.

Heutzutage gehört sie zu einem der größten Spirituosenkonzerne der Welt: Diageo.
Die Destillerie selbst, liegt direkt am Loch Harport, also etwas entfernt vom oft stürmischen Meer. Trotzdem spiegeln die Talisker Whiskys meist die raue Insel, auf der sie gebrannt werden, wieder.

Die beiden Spirit Stills der Brennerei besitzen einen u-förmigen Lyne Arm und einen Purifier der den Rückfluss erhöht. Dies sorgt dafür, dass besonders viele Aromen im Whisky erhalten bleiben und wir können so auf einen sehr vollen und intensiven Charakter hoffen.
Zudem wird das Malz für diesen Whisky über einem Torffeuer gedarrt und bringt so eine ordentliche Menge Rauch in den Whisky.
Zudem ist der Whisky bekannt für seine pfeffrige Schärfe (auch Chili-Catch gennant) und intensive, rauchige Art, die sich durchaus mit den wohl bekannteren Vertretern der Insel Islay messen kann.

► Der Whisky ◄

Der Talisker 57° North ist ein NAS (No-Age-Statement = keine Altersangabe) Whisky – wie viele andere Talisker auch – der mit starken 57% Alkohol abgefüllt wurde. Der Name 57° North spielt somit einerseits auf die 57% Alkohol des Malts an, andererseits liegt die Brennerei Talisker auf eben diesem 57igsten nördlichen Breitengrad. Er ist eine schöne Erweiterung der Talisker Range um einen Malt mit hohem Alkoholgehalt, welchen man sonst nur als teuren Special Release oder bei unabhängigen Abfüllern findet.

Der Alkoholgehalt ist also auch das Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Standardabfüllungen von Talisker. Ausgebaut wurde dieser Malt in Ex Bourbon Fässern. Sein Alter kann man nur schätzen. Ich persönlich denke es liegt bei etwa 8 Jahren. Das junge Alter muss aber nicht unbedingt negativ bewertet werden, denn diese jungen Malts bringen natürlich auch einen sehr kräftigen und intensiven, ja fast ungestümen Geschmack mit sich, der wunderbar zum Brennereicharakter von Talisker passt. Preislich gesehen liegt er zwischen dem Talisker Distillers Edition und dem Talisker Neist Point.

► Farbe ◄

Dunkles Gold (Achtung gefärbt; offiziell zur Anpassung der Chargen)

► Aroma ◄

Er tritt sofort mit einem kräftigen Lagerfeuerrauch in die Nase, der stärker als bei der 10-jährigen Abfüllung ausfällt. Anschließend macht sich auch gleich der Brennereicharakter von Talisker, mit einer starken pfeffrigen Note bemerkbar. Dazu gesellt sich auch eine sehr dezente, angenehme Würzigkeit die ich als Anklang von Eiche werte. Dazu ein Duft der an Seeluft erinnert. Eine angenehme Honignote bildet dabei ein schönes Gegengewicht zur starken Würzigkeit.
Fügt man dem Malt etwas Wasser hinzu, wird der Rauch etwas zurückgedrängt und es ergeben sich fruchtigere Noten – die mich stark an den 10-jährigen erinnern – wie Äpfel, Birnen und eine angenehme Zitrusfruchtnote.

► Geschmack ◄

Mit Wasser:
Anfangs Rauch, dann sofort Süße die allerdings nach wenigen Momenten von einer scharfen Pfeffrigkeit und Würze vertrieben werden. Auch leichte Eiche ist zu vernehmen. Insgesamt sehr wärmend im Mund, dabei leicht Cremig und immer schärfer werden, desto länger man ihn im Mund behält.

Ohne Wasser:
Zuerst sehr Süß, danach trifft einen die scharfe Pfeffer Note die ich hier schon eher als Chili deuten würde. Sehr würzig mit gut eingebundenem Lagerfeuerrauch. Leicht öliges Mundgefühl. Prickelt im kompletten Mundraum. Immer schärfer werdend. Insgesamt sehr starker Antritt und sehr intensiver Geschmack. Deutlich kräftiger als mit Wasser. Aber auch deutlich leckerer

► Abgang ◄

Sehr langer Abgang. Während er wärmend die Speiseröhre hinabgeht, bleibt im Mund Würze und leichte Eiche übrig. Er bleibt leicht süß und wird nie trocken. Die Geschmäcker belegen den Mund noch wirklich lange.
Mit Wasser, ist der Abgang erwartungsgemäß etwas kürzer und weniger würzig.

► Fazit ◄

Mit dem Talisker 57° North bekommen sie einen sehr kräftigen, wirklich starken Single Malt Whisky. Rauchiger und stärker als der 10-jährige, leider auch teurer. Wasser würde ich persönlich dem Malt nicht allzu viel hinzusetzen, da dies den schönen intensiven Charakter des Malts zunichtemacht, etwas Verdünnung ist aber durchaus angebracht (würde sagen auf etwa 48 – 52%), da die Geschmacksnerven sonst schnell betäubt werden und einem der Whisky dann nicht mehr so stark und intensiv vorkommt wie er eigentlich ist. Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei diesem Whisky durch die vorhandenen Verdünnungsreserven noch im Rahmen, liegt aber meiner Meinung nach eher schon an der oberen Grenze für diesen Malt.

Wer denkt dieser Malt ist zu würzig und stark für ihn, der sollte sich unbedingt die Talisker Distillers Edition anschauen, welche durch Nachreifung in Sherryfässern einen süßeren, milderen aber auch deutlich komplexeren Geschmack erhält und der Würzigkeit gut entgegenwirkt.
Subjektiv gesehen würde ich die Distillers Editon dem 57° North vorziehen, vor allem weil sie preislich im selben Segment liegen. Allerdings würde ich den 57° North dem Talisker 10, Skye und Storm vorziehen.
Für mich schmeckt dieser Talisker einfach wie ein Talisker schmecken sollte. Sehr schöner Tropfen mit ganz eigenem Charakter innerhalb der Brennerei!

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen(vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

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