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Whiskyverkostung: Makers Mark Kentucky Straight Bourbon

Guter, solider Bourbon für Anfänger und Fortgeschrittene


Bewertung

Makers Mark Red Seal

Hallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei. Also lasst uns den Makers Mark mal genauer anschauen:

► Brennerei ◄

Der Makers Mark Red Seal ist ein Kentucky Straight Bourbon, der in Loretto Kentucky seit 1959 produziert wird. Die Brennerei wird zurzeit (12/2015) von Bill Samuels jun. geführt und gehört zum Getränkekonzern Beam Suntory, zu dem auch andere bekannte Marken wie Basil Hayden’s, Booker’s, Canadian Club, Jim Beam, Bowmore, Laphroaig und viele mehr gehören. Die Rezeptur wurde von Bill Samuels sen. zusammen mit dem gleichnamigen Vater, des heutzutage sehr bekannten und begehrten, Pappy van Winkle Bourbons im Jahre 1953 entwickelt.

Makers Mark stellt seinen Bourbon seitdem mit einer besonderen Mischung her, die ihn geschmacklich von vielen anderen Bourbons abhebt. Wird die aus Mais und gemälzter Gerste bestehende Grundmischung bei den meisten Bourbons mit Roggen ergänzt, setzt Makers Mark hier auf Weizen. Dadurch wird ein deutlich weicherer und süßerer Geschmack erzeugt. Es werden etwa 70% Mais verwendet, die restlichen 30% teilen sich die gemälzte Gerste und der Weizen.

Auch der Herstellungsprozess unterscheidet sich, in einigen Punkten, von vielen anderen Brennereien in Kentucky. So wird zum einen das Getreide in einer speziellen Rollenmühle gequetscht, anstatt wie üblich gemahlen. Durch dieses Verfahren wird das Korn weniger stark erhitzt und verändert so kaum seinen natürlichen Geschmack, was sich natürlich auch im Endprodukt widerspiegelt. Durch die Verwendung von Weizen wird es außerdem notwendig die Maische ohne Druckverfahren zu kochen. Die Weizenmaische ist empfindlicher als die Roggenmaische und würde dieses Verfahren nicht unbeschadet überstehen.
Die Gärung findet anschließend in etwa 100 Jahre alten Fermentern aus Zypressenholz und kann bis zu 78h dauern. Nach diesem Prozess wird wie üblich zweifach destilliert und anschließend vier bis sieben Jahre in ausgekohlten Fässern aus amerikanischer Weißeiche gelagert.

Die für die Brennerei typische Wachsversiegelung, unter der sich ein üblicher Schraubverschluss befindet, wird auch heute noch per Hand hergestellt. Hierzu werden die Flaschen umgekehrt in das flüssige Wachs getaucht. Somit hat jede Flasche ihre individuelle Versiegelung.
Auch werden laut Brennereingabe die Fässer immer noch von Hand umgeschichtet was einen gleichbleibenden Geschmack gewährleisten soll.
Der Red Seal wird übrigens mit 45% Alkohol abgefüllt.

► Farbe ◄

Bourbontypisch sehr dunkles Bernstein, durch die frisch befüllten Weißeichenfässer.

► Aroma ◄

Sehr schönes Aroma, reich vor allem an weichen, angenehmen Gerüchen allen voran Karamell, Honig und deutliche Vanillenoten. Nach längerer Zeit sind jedoch auch leichte würzige Holznoten zu vernehmen, auch der Alkohol sticht hier etwas in die Nase. Auch die offiziell angegebenen Nelken sind zu riechen, den angegebenen Kakao kann ich persönlich allerdings nicht finden.

► Geschmack ◄

Guter Antritt, Voluminös und voll, schmeckt nicht so süß und leicht wie es das Aroma vermuten lässt. Toffee ist da, jedoch auch deutliche Eiche und würzige Noten, die an Gebäckkuchen erinnern, sind zu vernehmen. Ich meine auch eine Note zu spüren die mich an frisches Brot erinnert (evtl. vom verwendeten Weizen). Zudem ist eine leichte Nussigkeit (Haselnüsse und Walnüsse) vorhanden.

► Abgang ◄

Der Abgang ist kurz bis mittellang. Allerdings sehr wärmend und aromatisch im Geschmack, vor allem die Nüsse bleiben. Jedoch bleibt auch eine leichte Fruchtigkeit im Mund zurück.

► Fazit ◄

Ein leckerer Kentucky Straight Bourbon der im Geschmack dann letztlich anders daherkommt als zuerst in der Nase vermutet. Er ist sehr leicht zu trinken, wird auch Anfänger nicht überfordern, denn die Komplexität hält sich in Maßen. Ein Whisky zum zwischendurch genießen, perfekt zusammen mit ein paar Freunden ohne gleich ein großes Tasting daraus zu machen.
Er ist allemal besser als die üblichen amerikanischen massenproduzierten Whisk(e)ys wie Jim Beam oder Jack Daniels, die paar Euro sollten hier definitiv mehr investiert werden.
Das Preis/Leistungsverhältnis ist ebenfalls sehr gut und ich kann ihn sowohl für Anfänger (die sich an den Bourbon herantasten wollen) als auch für Fortgeschrittene (die einen All-Day Whisky suchen) empfehlen!

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen(vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten (Bei Bourbon eher weniger üblich und meist auch nicht nötig, lieber neat genießen)

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