Sehr guter 15-jähriger – Preis-/Leistungsverhältnis Top!


Bewertung

Glenfarclas 15Hallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei. Also lasst uns mal genauer über den Glenfarclas 15 sprechen:

► Brennerei ◄

Die Brennerei Glenfarclas liegt mitten in der Speyside, am Fuße des Berges Benrinnes, einige Kilometer westlich von Dufftown (von vielen als die insgeheime Whisky-Hauptstadt bezeichnet). In dieser Region liegen zahlenmäßig nicht nur die meisten Brennereien Schottlands, sondern auch Mälzereien und unabhängige Abfüller. Die Whiskys der Speyside haben größtenteils folgende Merkmale: Eher rund, weich, fein und wenig bis gar nicht getorft.
Glenfarclas, was in etwa Tal des Grünen Grases bedeutet, blickt hierbei auf eine lange Geschichte zurück. Die Brennerei wurde 1836 von Robert Hay gegründet, begann ab 1844 legal zu brennen und wurde anschließend 1865 an John Grant verkauft. Bis heute hält sich die Brennerei im Familienbesitz und gehört keinem großen Spirituosenkonzern an.

Das Familienunternehmen blickt also auf eine sehr lange Tradition zurück. Das sich die Brennerei bis heute so gut gehalten hat, mag Rückschlüsse auf die gute Qualität und den wunderbaren Whisky aus dieser Destillerie zulassen.
Durch die Weitsicht und gute Vorausplanung ist es Glenfarclas bis heute möglich eine sehr große Palette an Whiskys, vor allem ältere Jahrgänge konstant anzubieten. Dazu gehören auch sehr alte Tropfen wie der Glenfarclas 30 Jahre und der Glenfarclas 40 Jahre die zum Standardrepertoire der Brennerei gehören. Nicht viele andere Destillerien können solch alte Whiskys dauerhaft anbieten und schon gar nicht zu so guten Preisen wie es Glenfarclas kann.

Sein Wasser bezieht die Brennerei aus einer Quelle, die aus dem Herzen des Benrinnes entspringt. Sie wird hauptsächlich durch Schmelzwasser gespeist, das anschließend durch den Torfboden und den darunterliegenden Granitfels zieht.
Gemälzt wird seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr in der Brennerei sondern in einer großen Mälzerei. Das angelieferte Malz wird in großen Silos bis zur Weiterverwendung zwischengelagert.
Die Brennerei Glenfarclas besitzt zudem die Spirit Stills mit der größten Kupferinnenfläche der gesamten Speyside, welche zudem noch direkt mit Gas befeuert werden. Der Brennereicharakter der dadurch entsteht kann als überaus intensiv, fruchtig und malzig bezeichnet werden.

Eine weitere Besonderheit sind die verwendeten Fässer. Glenfarclas setzt seit jeher hier fast ausschließlich auf Sherryfässer aus europäischer Eiche. Die je nach eingefülltem Sherry und Grad der Verwendung viele früchtig, süße Noten (aus dem Sherry, besonders bei 1st fill Fäsern) oder aber sehr würzige Noten (von der europäischen Eiche, die deutlich kräftiger ausfällt als die amerikanische Weißeiche die für Bourbonfässer verwendet wird) in den Whisky einbringen.
Die Brennerei selbst gibt eine Mischung der Fässer von zwei Drittel Sherryfässern und einem Drittel „plain“ Fässer an.
Zu erwähnen ist außerdem das alle Glenfarclas Whiskys ohne den Zusatz von Farbstoffen abgefüllt werden und man somit tatsächlich die unverfälschte Farbe des Whiskys vor Augen hat.

► Der Whisky ◄

Der Großteil wurde oben schon erwähnt, deshalb hier nur noch einige Ergänzungen und eine Zusammenfassung, falls jemand gleich hier zum Tasting geblättert hat 😉
15 Jahre gereift in etwa zwei Dritteln Sherryfässer und einem Drittel „plain-oak“.
Mit einem etwas gehobenen Alkoholgehalt von 46% abgefüllt, was dem Whisky mehr Kraft und Intensität verleiht. Dazu noch eine kleine Geschichte: Der höhere Alkoholgehalt geht auf den Großvater des jetzigen Brennereibesitzers zurück, der seinen Whisky am Liebsten in dieser Alkoholstärke genoss.

► Farbe ◄

Kräftiges Goldgelb (nicht gefärbt)

► Aroma ◄

Sehr komplex, man sollte sich viel Zeit nehmen um sich mit dem Geruch vertraut zu machen und möglichst viele Aromen herauszufinden.
Meine Nase: Sehr süßer Sherry, Malz und alkoholische Note. Nach etwas längerem riechen kommen auch Fruchtnoten durch hauptsächlich Orange jedoch schwingt auch ein leichter Duft von Pflaumen mit. Im Hintergrund sehr dezenter Rauch, könnte allerdings auch ein Eichenaroma sein.

► Geschmack ◄

Im Mund leicht ölig. Kräftiger Antritt, man spürt die 46%. Weniger Süß als erwartet, dafür deutliche Eichenwürze, damit einhergehend eine unerwartete Schärfe mit leichtem Kribbeln auf der Zunge. Sherry noch da aber schwächer als beim Nosing, auch Früchte sind vorhanden. Rauch ist im Geschmack nicht wirklich erkennbar. Leichte Nussigkeit und Bitterkeit auf der Zunge.

► Abgang ◄

Relativ lang, würzig, trocken, wärmend, Nussigkeit und Eiche bleibt zurück jedoch auch eine verhaltene Süße. Insgesamt hält sich der Nachgeschmack sehr lange.

► Fazit ◄

Vorallem im Aroma zeigt sich der Glenfarclas 15 von seiner besten Seite und nimmt einen mit auf eine Reise durch die Welt der Gerüche. Der Geschmack hingegen fällt etwas anders aus als die Nase. Sehr würzig, kräftig und komplex, weniger Sherryfrucht und Süße. Wohl bedingt durch relativ hohen Anteil an Sherryfässern (vielleicht eher 2nd fill, als 1st fill; was auch die eher hellere Farbe erklärt) und gute Lagerdauer von 15 Jahren. Jedoch schafft der Geschmack immer noch ein leichtes hin und her zwischen Würze, Sherry und Frucht, was mir sehr gut gefällt. Für einen 15-jährigen ist er jedoch ausgesprochen gut, allem voran ist das phänomenale Preis/Leistungsverhältnis zu nennen das bei den Glenfarclas Whiskys im Allgemeinen meist Top ausfällt. Empfehlen würde ich diesen Whisky keinem Anfänger, für Leute die sich schon mehr mit der Materie befasst haben und einmal eine schöne, kräftige Sherry-Eichenbombe probieren möchten ist dieser Malt gut geeignet.

Wer den Glenfarclas 15 schon gerne mag oder einfach etwas mehr Sherry als im 15-jährigen sucht, der sollte sich auf jeden Fall auch den Glenfarclas 2000 Oloroso genauer anschauen 🙂

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen(vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

1 Kommentar zu “Whiskyverkostung: Glenfarclas 15

  1. Pingback: Whiskyverkostung: Glenfarclas 2000 Oloroso Cask Finish » Produkttest-Online

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