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Whiskyverkostung: Famous Grouse Gold Reserve 12 Jahre

Nicht schlecht aber auch nicht überzeugt


Bewertung

Famous Grouse Gold Reserve 12Hallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei.
Zudem möchte ich anmerken, dass die Anzahl der Sterne nicht zu 100% Rückschluss darauf bieten kann, wie gut dieser Whisky wirklich ist. Denn ein guter Einsteiger Malt der zu einem günstigen/angemessenen Preis zu haben ist, kann genauso 5 Sterne erzielen wie ein deutlich teurerer aber dafür auch besserer Single Malt.
Nach diesem kurzen Vorwort, lasst uns den Famous Grouse Gold Reserve 12 Jahre genauer anschauen:

► Die Marke ◄

Famous Grouse ist, in der besonders günstigen Standardabfüllung, vor allem als der meistverkaufte Whisky Schottlands bekannt.
Nach der Gründung im Jahre 1800 übernahm Matthew Gloag, der namensgleiche Enkel des Gründers, 96 Jahre später den Familienbetrieb. Er war der Initiator, der den heute so bekannten Blend erstmals unter dem Namen „The Grouse Brand“ verkaufte. Das passende Etikett wurde übrigens von seiner Tochter gestaltet und zeigt den schottischen Nationalvogel. Der Whisky verkaufte sich schon damals so gut, dass man nach kurzer Zeit „The Famous“ hinzufügte und „Brand“ einfach wegließ. So entstand der uns heute bekannte „The Famous Grouse“ Whisky.

Neben der Standardabfüllung werden auch verschiedene andere angeboten, hier eine kleine Auswahl: The Famous Grouse Smoky Black, The Black Grouse Alpha Edition, The Naked Grouse, The Famous Grouse 40 Year Old uvm.

Für die Famous Grouse Whiskys werden meist Grain-Whiskys und Single Malt Whiskys aus eigenem Hause gemischt/verblendet. Oft wird mit den bekannten Malts „The Macallan“ und „Highland Park“ geworben, wie groß der Anteil dieser Malts in den Blends in Wirklichkeit ist, wissen wohl nur die Mitarbeiter bzw. der Master Blender genau.

► Der Whisky ◄

Es handelt sich bei dem Famous Grouse Gold Reserve 12 Jahre um einen Blended Scotch Whisky. Er wird also aus verschiedenen (meist hochwertigeren) Single Malt Whiskys – unter anderem Macallan/Highland Park – und (meist günstigen) Grain Whiskys hergestellt. Das „Besondere“ an diesem Blend ist, dass er ein Alter trägt und zwar 12 Jahre. Das bedeutet also, dass alle Whiskys die in diesem Blend vereint wurden mindestens 12 Jahre alt sind. Somit ist dieser Blend schon eine Stufe besser als so manche Blends die kein Alter tragen. Aber natürlich ist das Alter an sich noch lange kein Garant für hohe Qualität oder gute Geschmack. Deshalb kommen wir nun zum Tasting:

► Farbe ◄

Leider gefärbt, auf der Flasche steht zwar „zur einheitlichen Farbgebung“ aber ich bin eher der Meinung das hier schon ordentlich mit Farbe nachgeholfen wird – denn für einen 12-jährigen Whisky mit geringem Sherryanteil ist dieser Whisky viel zu dunkel – wohl um das Auge des Whiskyfreunds zu befriedigen.

► Aroma ◄

Gleich zu Beginn viel Vanille, fast Bourbonartig und hat leider ebenfalls diese leichte Lösungsmittelnote, die viele Bourbons zu eigen haben. Wo diese Note in diesem Blend herkommt, vermag ich leider nicht genau zu bestimmen.
Sie vermischt sich auf jeden Fall mit einer sehr dezenten Rauchnote. Nach kurzer Zeit findet man dahinter aber auch Früchte und zwar leichte Zitrusfrüchte. Dazu eine angenehme leichte Würzigkeit/Eiche und eine schöne süße Malzigkeit. Der Alkohol macht sich trotz nur 40% bemerkbar.
In den tiefen dieses Blends meine ich persönlichen auch den enthaltenen Highland Park zu riechen und ich glaube wer diesen Malt kennt wird ihn hier ebenfalls wiederfinden.

► Geschmack ◄

Der Geschmack ist anders als erwartet. Viel weniger süß aber mit frischer Zitrusfrucht. Mehr würzig als fruchtig und ganz dezent rauchig. Würde ihn außerdem als recht trocken beschreiben.
Etwas Heidekraut findet sich auch wieder, zum Schluss hin wird er dann doch noch einmal süßer. Der Alkohol ist auch im Geschmack wiederzufinden, insgesamt recht voll im Mund.

► Abgang ◄

Der Abgang ist eher kurz bis mittellang. Er rinnt angenehm wärmend die Speiseröhre hinab. Im Mund bleibt allerdings eher eindimensionale leichte Würzigkeit und Eichenbitterkeit zusammen mit ein ganz leichten süße übrig.

► Fazit ◄

So, was soll ich zu diesem Blend nun sagen. Der Famous Grouse Gold Reserve 12 ist definitiv um Längen besser als die Standardabfüllung von Famous Grouse. Aber so richtig konnte dieser Blend mich nicht überzeugen. Vor allem konnte er mich für diesen Preis nicht überzeugen, denn hier gibt es für wenige Euros mehr oder sogar für den gleichen Preis schon deutlich bessere Blends, Bourbons und Single Malts. Versteht mich nicht falsch, vielen wird dieser Blend schmecken. Ich mag ihn persönlich nicht so gern und würde zum Beispiel als Blend eher einen kräftigeren und rauchigeren Johnnie Walker Green Label 15 Jahre vorziehen oder als Single Malt dann gleich einen Highland Park 12 Jahre, der ja sowieso in diesem Blend enthalten ist.

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur und ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das einerseits die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack, andererseits gibt der Whisky weniger Aromen frei -> Sie riechen weniger)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma durch die große Öffnung nach oben verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen (vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

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