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Whiskyverkostung: Bunnahabhain 12 Jahre

Ausgesprochen guter, eigenständiger Islay Malt


Bewertung

Bunnahabhain 12 JahreHallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei.
Zudem möchte ich anmerken, dass die Anzahl der Sterne nicht zu 100% Rückschluss darauf bieten kann, wie gut dieser Whisky wirklich ist. Denn ein guter Einsteiger Malt der zu einem günstigen/angemessenen Preis zu haben ist, kann genauso 5 Sterne erzielen wie ein deutlich teurerer aber dafür auch besserer Single Malt.
Nach diesem kurzen Vorwort, lasst uns nun aber anfangen:

► Brennerei ◄

Die Brennerei Bunnahabain (gesprochen Búnhávin; Schottisch-Gälisch für Flussmündung oder auch Flussursprung) ist seit 1881 fester Bestandteil der Insel Islay, welche im Allgemeinen für ihre sehr rauchigen und intensiven Single Malts à la Ardbeg, Laphroaig, Bowmore oder Lagavulin bekannt ist.
Gegründet wurde die nördlichste Destille Islays von James Ford, James Greenlees und William Robertson und Sie liegt an der Mündung des Margadale, ein unterirdischer Fluss aus dem die Brennerei auch ihr Wasser bezieht.
Die Brennerei hielt sich im Vergleich zu anderen über den Lauf der Jahre sehr gut. Lediglich von 1930 bis 1937 war sie geschlossen. Zudem wurde zwischen 1999 und 2003 nur sporadisch produziert, da sie hier kurz vor der Schließung stand. Hiervor wurde sie, durch Übernahme von Burn Stewart Distillers 2003 bewahrt. Letztendlich wurde Burn Stewart 2013 an die südafrikanische Distell Group verkauft.

Im Vergleich zu anderen Brennereien auf Islay nutzt Bunnahabhain weniger Rauch. Allerdings sind die Brennblasen der Destille sehr birnenförmig und bauchig, dies lässt auf einen intensiven und vollen Charakter hoffen.

Allgemein wird der Bunnahabhain gerne als Seefahrer-Whisky bezeichnet, da sie als nördlichste Destillerie Islays die erste Brennerei war die, die Seefahrer sahen, wenn sie auf Islay anlegten. Dies spiegelt sich auch im Logo auf den Flaschen wieder, auf dem ebenfalls ein Seefahrer zu sehen ist.

Die Brennerei bietet eine Reihe an Originalabfüllungen an, angefangen bei einem Bunnahabhain 12 Jahre, über einen 18-jährigen, bis hin zu einem 25 und sogar 40-jährigem Whisky. Zudem bietet die Brennerei einige NAS (No Age Statement = keine Altersangabe) Whiskys an: Ceòbanach, Eirigh Na Greine und Toiteach.

► Der Whisky ◄

Bei diesem 12-jährigen Malt handelt es sich um die Einsteiger Abfüllung dieser Destillerie. Er wird sowohl in Ex-Sherry als auch in Ex-Bourbon Fässern ausgebaut, was ihm eine schöne Komplexität verleiht.
Außerdem ist er nicht kühlgefiltert und wird mit einem schönen Alkoholgehalt von 46,3%Vol. abgefüllt, was seine kräftige intensive Note gut unterstreichen sollte.

► Farbe ◄

Dunkles ins Bernstein gehende Gold (nicht gefärbt <- So mag ich das!)

► Aroma ◄

Anfangs sofort angenehme Süße, danach kommen frische Früchte (vor allem Birne). Allerdings auch eine leicht salzige Assoziation, sowie Meeresbrise, etwas Jod und wunderschön eingebundener Rauch. Dazu Haselnuss, Karamell und Lakritze. Leichter Pfeffer prickelt zusammen mit dezenter Würzigkeit in der Nase. Riecht man eine Weile rücken Sherrynoten und dunkle Früchte in Vordergrund und verdrängen die anfängliche Frische.
Das Aroma ist wirklich sehr interessant und vor allem komplex.

► Geschmack ◄

Angenehmer Antritt auf der Zunge, mit einem cremigen Mundgefühl. Zu aller erst Süß, dann drückt aber auch gleich dezenter Rauch hinterher. Anschließend wird er würziger im Mund, mit leichtem weißem Pfeffer. Leichte frische Früchte sind auch dabei. Wird noch würziger und pfeffriger desto länger man ihn im Mund behält. Allerdings mischt sich unter diese ganzen Geschmäcker auch eine süße Kräuterlikörartige Note die diesem Malt etwas ganz Besonderes verleiht.

► Abgang ◄

Der Abgang ist mittellang und rinnt warm die Speiseröhre hinunter. Im Mund weiterhin würzig, wird dann aber sehr süß. Insgesamt langanhaltende Geschmäcker. Zum Schluss bleibt, diese interessante Kräuternote zurück.

► Fazit ◄

Der Bunnahabhain 12 Jahre ist ein überraschend anderer und eigenständiger Islay Malt. Er hat zwar deutlich weniger Rauch als seine Brüder und Schwestern, dies macht er aber locker mit wunderbar süßen Sherrynoten wet, die in der sowieso schon interessanten Nase verborgen liegen. Er ist sehr voll und intensiv und auch diese besondere Kräuternote die dieser Malt meiner Meinung nach zu Eigen hat machen ihn ausgesprochen interessant.
Einer der besten 12-jährigen Malts die ich kenne!
Hier stimmt einfach alles, auch der Preis ist mehr als angemessen. Ich kann hier meine volle Kaufempfehlung aussprechen und möchte ihn besonders Liebhabern rauchiger Single Malts empfehlen, aber auch allen die schon ein paar andere Whiskys probiert haben und sich an ihren ersten Islay Malt heranwagen möchten.
Einem blutigen Anfänger würde ich diese Flasche allerdings nicht unbedingt vorsetzen.

Vielen Dank fürs Lesen meiner Rezension! Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen!

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur und ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das einerseits die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack, andererseits gibt der Whisky weniger Aromen frei -> Sie riechen weniger)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma durch die große Öffnung nach oben verloren geht), Suchen Sie einfach nach Glencairn oder Snifter
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen (vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

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