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Whiskyverkostung: Balvenie Single Barrel 12 Jahre

Einer der besten 12-Jährigen – Einer meiner Lieblinge


Bewertung

Balvenie Single BarrelHallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei.
Zudem möchte ich anmerken, dass die Anzahl der Sterne nicht zu 100% Rückschluss darauf bieten kann, wie gut dieser Whisky wirklich ist. Denn ein guter Einsteiger Malt der zu einem günstigen/angemessenen Preis zu haben ist, kann genauso 5 Sterne erzielen wie ein deutlich teurerer aber dafür auch besserer Single Malt.
Nach diesem kurzen Vorwort, lasst uns nun aber genauer über den Balvenie Single Barrel 12 Jahre sprechen.

► Brennerei ◄

Die Balvenie Destillerie liegt bei Dufftown, Schottland, ist also der Speyside zuzuordnen. Gegründet wurde sie 1892 von William J. Grant, welcher auch Glenfiddich gründete. Auch heute ist William Grant & Sons Ltd. immer noch Eigentümer der Brennerei. Balvenie liegt übrigens unterhalb der Glenfiddich Destillerie.

Der erste Spirit wurde dann am 1. Mai 1893 gebrannt. Allerdings dauerte es bis 1973 bis hier der erste Single Malt abgefüllt wurde, denn vorher wurde der Whisky für die Konzerninterne Verblendung verwendet.

Auch interessant ist, dass Balvenie bei Errichtung lediglich über zwei Brennblasen verfügte. Im Laufe der Jahre wurde jedoch immer weiter aufgerüstet: Erst auf vier, dann auf sechs, anschließend auf sieben und heute verfügt die Destille über ganze neun Brennblasen (vier wash stills und fünf spirit stills). Das Produktionsvolumen beträgt etwa 5,6 Millionen Liter Alkohol, eine wirklich massive Zahl und schon recht viel für eine schottische Malt Whisky Brennerei (vom Produktionsvolumen liegt sie damit in der Top 10!). Hier wird also richtig viel hergestellt. Gut für uns, denn dies lässt auf eine gute Versorgung, auch an älteren Flaschen, hoffen.

Die Brennerei ist übrigens eine der wenigen die noch einen Teil ihres Malzes auf den eigenen Malting Floors herstellt. Allerdings benötigt Balvenie mittlerweile so viel Malz, dass sie nur etwa 15% davon selbst herstellen können. Aber immerhin, Daumen hoch dafür. Im Normalfall wird zur Trocknung des Malzes bei Balvenie kein Torfrauch verwendet, das heißt in den meisten Malts dieser Brennerei wird kein Rauch zu finden sein.
Das Wasser für den Whisky stammt übrigens aus der lokalen Robbie Dubh Quelle.

Balvenie verfügt über eine große Range an Originalabfüllungen, dazu gehören zum Beispiel: Doublewood 12 Jahre, Doublewood 17 Jahre, Caribbean Cask 14 Jahre, Triple Cask mit 12, 16 und 25 Jahren, Single Barrel 12 und 15 Jahre, Portwood 21 Jahre und noch einige mehr.

► Der Whisky ◄

Hier soll es nun explizit um den Balvenie Single Barrel 12 Jahre mit der Fassnummer 1387 gehen. Nun möchte ich für alle, die sich vielleicht noch nicht so gut in der Welt des Whiskys auskennen etwas ausholen:

Es handelt sich wie der Name schon verrät um einen Single Barrel Whisky. Übersetzt bedeutet dies, dass wir es mit einem Malt zu tun haben der aus nur einem einzigen Fass abgefüllt wurde und zwar einem Barrel. Ein Barrel bedeutet hierbei ein Fass aus amerikanischer Weißeiche, in dem zuvor Bourbon lagerte. Aber es geht noch weiter, denn es handelt sich um ein First Fill Bourbon Fass. Was wiederum bedeutet, dass in dem Fass Bourbon lag, dieser abgefüllt wurde und die nächste Flüssigkeit die nun in dieses Fass kommt, ist der frische Spirit (auch New Make genannt) aus der Balvenie Destillerie.

Jede Abfüllung ist also maximal 300 Flaschen groß, dies ergibt sich folgendermaßen: Ein Barrel hat nur ein Fassungsvermögen von etwa 200l. Bedenkt man die Volumenänderung durch Verdünnung und dass durch den Angels Share (Verdunstung durch die Fasswand während der Lagerung) jedes Jahr ein bestimmter Prozentanteil des Inhalts verloren geht, kommt man nach etwas Rechnerei auf diese maximal 300 Flaschen.
Danach wird das nächste Fass geöffnet und damit ändert sich die auf der Flasche angegebene Fassnummer. Außerdem ändert sich mit jedem neuen Fass auch der Geschmack des Malts, denn kein Whiskyfass reift gleich.

Deswegen ist es natürlich äußerst schwierig für solch einen Malt eine allgemeingültige Geschmacksbeschreibung abzugeben. Der Hersteller gibt allerdings an, dass die ausgewählten Fässer alle einen bestimmten Grundcharakter zeigen sollen, der aus süßer Eiche, Gewürzen, Honig und süßen Früchten bestehen soll.

Der Malt wird übrigens ungefärbt, nicht kühlgefiltert und mit einem etwas erhöhten Alkoholgehalt von 47,8%Vol. (keine Fassstärke) abgefüllt. Das gefällt mir ebenfalls sehr gut!

Eins gibt’s allerdings noch zu erwähnen. Die Verpackung dieses Malts gefällt mir wirklich ausgesprochen gut. Von der Form her unterscheidet sich diese Verpackung zuerst einmal nicht von denen vieler anderer aber, dass was darauf steht ist wirklich gut. Hier sind sehr viele Informationen über den Whisky, dessen Herstellung und die Fässer enthalten. Hier gibt’s ausgesprochen viel zu lesen und man merkt, dass hier nicht nur Marketing zu finden ist, nein, hier soll tatsächlich Wissen vermittelt werden.

Meine folgende Geschmacksbeschreibung bezieht sich auf den Balvenie Single Barrel 12 Jahre mit der Fassnummer 1387!

► Farbe ◄

Fahles Gold, schon fast wie Weißwein (ungefärbt)

► Aroma ◄

Sofort sehr süße, extrem frische, saftige Früchte. Dazu auch eine sehr süße Vanille. Ein ganzes Potpourri an Früchten ist hier zu finden. Ich rieche Nektarinen, Aprikose, Ananas, Trauben. Obstsalat finde ich deshalb hier sehr treffend, aber noch etwas intensiver und süßer. Erinnert mich stark an Fruchtgummibären. Insgesamt sehr weiche Nase mit überaus intensiven Aromen, der Alkohol sticht zu keiner Zeit hervor.
Eine wirkliche überwältigende Nase, selten so eine frische, süße Fruchtigkeit in einem Whisky gehabt. Die Nase hat mich beim ersten Mal wirklich minutenlang grinsen lassen. Einfach toll!

► Geschmack ◄

Beginnt ebenfalls sehr süß, angenehme Vanille vermischt sich mit den süßen, saftigen Früchten und einer deutlichen Nussigkeit. Überaus Weich im Mund, kein brennen aber trotzdem sehr intensiver Geschmack, leicht cremig im Mund. Es gesellen sich zum Ende hin sehr dezent Gewürze dazu.

► Abgang ◄

Der Abgang ist eher kurz bis mitellang, was diesem Malt aber wunderbar steht. Die Geschmäcker entwickeln sich prächtig im Mund. Zuerst noch einmal süß, dann Frucht und zum Ende hin bleiben nur diese ganz dezenten Gewürze zurück.

► Fazit ◄

Ich muss sagen, auch nach etlichen Whiskys die ich schon probiert habe, hat mich der Balvenie Single Barrel 12 Jahre wirklich überrascht. Ein so leckerer Malt mit nur 12 Jahren ist mir bisher noch nie untergekommen. Er ist einfach ausgesprochen fruchtig und süß, wunderbar weich und eignet sich sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene.

Mich hat dieser Malt wirklich begeistert. Der Preis erscheint für einen 12-jährigen natürlich schon recht hoch, aber er ist wirklich jeden einzelnen Cent wert, da hier einfach wirklich sehr gut gereifte Fässer ausgewählt werden.
Er gehört zu meinen Lieblingswhiskys und ich kann deshalb auch ohne zu Zögern eine uneingeschränkte Kaufempfehlung an alle Whiskygenießer aussprechen.

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur und ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das einerseits die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack, andererseits gibt der Whisky weniger Aromen frei -> Sie riechen weniger)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma durch die große Öffnung nach oben verloren geht), Suchen Sie einfach nach Glencairn oder Snifter 😉
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen (vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

1 Kommentar zu “Whiskyverkostung: Balvenie Single Barrel 12 Jahre

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