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Whiskyverkostung: Auchentoshan American Oak

Angenehm weich, fruchtig, süß – Ideal für Einsteiger


Bewertung

Auchentoshan American Oak ProduktbildHallo lieber Leser,

Anfangs möchte ich einmal erwähnen, dass ich bei dieser Rezension meinen eigenen Geschmack wiedergebe und Ihnen damit nur einen Anhaltspunkt zur ungefähren geschmacklichen Richtung des Whiskys geben kann. Deshalb möchte ich gerne noch etwas das Hintergrundwissen zu diesem spezifischen Tropfen und der dahinterstehenden Brennerei vermitteln. Meiner Meinung nach trägt das Wissen über einen Whisky deutlich zum Verständnis über die Aromen und den Geschmack des Whiskys bei. Also schauen wir uns den Auchentoshan American Oak einmal genauer an:

► Brennerei ◄

Die Brennerei wurde ehemals von einem gewissen John Bulloch, um 1800 als Duntocher Distillery erbaut. Anschließend übernahm – nach Bankrott – sein Sohn Archibald Bulloch 1822 die Destillerie. 1823 wurde die Brennerei dann offiziell registriert und brennt seit diesem Jahr unter dem Namen Auchentoshan Whisky. Deshalb ist 1823 auch das offizielle Gründungsdatum der Destillerie. Zu den Jahren vor 1823 existieren also keine offiziellen Aufzeichnungen.
Über die Jahrzehnte/Jahrhunderte bis heute wechselte die Brennerei dann oft den Besitzer. Zwischenzeitlich wurde sie auch durch einen deutschen Fliegerangriff 1941 teilweise zerstört, erst nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und ging letztendlich am 03.02.1948 wieder in Betrieb.
Die Brennerei ging 1984 an Morrison Bowmore und landete somit 1994 bei ihrem heutigen Besitzer Suntory (drittgrößter Spirituosenhersteller weltweit). Dessen Tochterfirma Beam Suntory vertreibt viele uns bekannte Whiskys und Whiskeys unter anderem: Basil Hayden, Booker’s, Canadian Club, Jim Beam, Knob Creek, Maker’s Mark, Ardmore, Bowmore, Laphroaig uvm.

Die Auchentoshan Brennerei liegt am nordwestlichen Stadtrand von Glasgow und somit eine der wenigen übrig gebliebenen Destillerien in den central Lowlands. Ganz nach alter Manier – und darauf ist Auchentoshan merklich stolz – destilliert diese Brennerei dreifach, anstatt wie üblich zweifach. Diese Art der Destillation entfernt somit mehr unerwünschte Stoffe aus dem Whisky. Der resultierende Brennereicharakter kann als überaus weich, mild, ruhig und zitrusfruchtig beschrieben werden. Ihr Wasser bezieht die Brennerei übrigens aus dem Loch Cochno in den Kilpatrick Hills.

Mit einer jährlichen Produktionsmenge von ca. 1,5 Millionen Litern Alkohol gehört sie schon zu den eher großen Brennereien, zumindest unter denen die nicht die Blend-Industrie beliefern.
Auchentoshan bietet zudem eine große Range an Standardabfüllungen. Diese reichen vom Auchentoshan Classic, über den Three Wood zu einem 12, 18 und 21-jährigen, sowie einigen Flaschen für den Travel Value (Springwood, Heart Wood, Cooper’s Reserve, Silveroak, Solera) und natürlichen diversen limitierten Abfüllungen.

► Der Whisky ◄

Der Auchentoshan American Oak, um den es hier heute geht wird langfristig den Auchentoshan Classic als Einsteigermalt dieser Brennerei ersetzen.
Es handelt sich hierbei um einen NAS (No-Age-Statement = keine Altersangabe) Whisky. Das einzige was wir über sein Alter also wissen, ist das er mindestens 3 Jahre alt ist, sonst dürfte er sich nicht Scotch Whisky nennen.
Das Besondere an diesem Malt ist, dass er ausschließlich in first fill bourbon casks gelagert wurde. Dies erlaubt es den Whisky verhältnismäßig kurz zu reifen und trotzdem eine ordentliche Aromenfracht in den Whisky zu transportieren. Dazu kommt außerdem, dass – bedingt durch die dreifache Destillation – der Whisky sowieso nicht allzu viele „scharfe“ Bestandteile enthält, die er durch subtraktive Reifung an das Fass abgeben muss. Deshalb gehe ich persönlich von einem relativ jungen Alter von etwa 5 – 7 Jahren aus.

Zu erwarten sind in diesem Whisky also süße Vanille und frische Früchte aus den Bourbonfässern, Zitrusfruchtigkeit aus dem Brennereicharakter und insgesamt durch die dreifache Destillation ein weicher, angenehmer Single Malt ohne Ecken und Kanten.

► Farbe ◄

Altgold (Achtung: Mit Farbstoff!)

► Aroma ◄

Anfangs Vanille gemischt mit einer süßen Honignote, sofort sind auch frische Früchte da, angenehme Zitrusfrucht und süße Reife Äpfel und Birnen. Schon bald kommt eine deutlich erkennbare, sehr schöne Pfirsichnote dazu. Insgesamt sehr weich, harmonisch, wie gesagt keine Ecken und Kanten, dennoch komplex und keineswegs langweilig.

► Geschmack ◄

Sehr angenehm tritt er auf die Zunge, leicht cremig und vanillig. Der wunderbare süße Pfirsich aus der Nase, findet sich glücklicherweise auch im Geschmack wieder. Dazu gesellt sich eine dezente Würzigkeit und säuerliche Zitrusnoten die sich wunderbar einbinden. Ein Malt, der dank dreifacher Destillation sehr weich daherkommt, was exzellent zum restlichen Geschmackserlebnis passt.

► Abgang ◄

Der Whisky geht den Rachen eher unauffällig aber dennoch leicht wärmend hinunter. Die Geschmäcker im Mund dagegen entwickeln sich vorzüglich. Zuerst bekommt man noch einmal eine leichte süße und fruchtigkeit danach wird er zuerst würziger, wobei diese würze sehr dezent aber dennoch spürbar ist, bis er anschließend recht zügig verblasst.

► Fazit ◄

Der Auchentoshan American Oak ist für eine Standardabfüllung, vor allem zu diesem günstigen Preis zu dem er zu bekommen ist, ein wirklich guter Tropfen. Also sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Er kommt wirklich so daher, wie man ihn sich vorstellt: Weich, Angenehm, Fruchtig, Süß
Ich möchte diesen Malt vor allem Einsteigern ans Herz legen, die vielleicht noch nicht allzu viele Whiskys probiert haben. Dieser Malt wird Sie definitiv auch für den Anfang nicht überfordern, da er – bedingt durch die geringere Reifezeit – noch keine starken oder bitteren Eichennoten aufgenommen hat und auch keinen Rauch beinhaltet.
Aber auch für fortgeschrittene Genießer, die noch nie einen dreifach destillierten Whisky probiert haben, ist dieser als Einstieg in die Auchentoshan Range wirklich zu empfehlen.

NACHTRAG: Wem dieser Single Malt schmeckt, der sollte als Steigerung (meiner Meinung nach ist dieser zumindest die Steigerung) unbedingt auch den Balvenie 12 Years Old Single Barrel First Fill probieren.

PS: Guten Whisky, bitte artgerecht behandeln:
– Auf Zimmertemperatur und ohne Eis genießen (wenn der Whisky kalt ist beeinträchtigt das einerseits die Geschmacksnerven -> weniger Geschmack, andererseits gibt der Whisky weniger Aromen frei -> Sie riechen weniger)
– Am besten Nosingglas benutzen (keine Tumbler in denen das ganze schöne Aroma durch die große Öffnung nach oben verloren geht)
– Zeit für den Whisky nehmen; lange genug riechen um die Aromen zu erfassen (vor und nach dem probieren); einige Sekunden im Mund behalten um die Geschmäcker und deren Entwicklung beurteilen zu können; mit Whisky beschäftigen (Herkunft, Inhalt, was erwarte ich von dem Whisky?); dem Whisky auch mal Zeit geben sich zu entfalten und eventuell mehr zu riechen
– mit dem Whisky experimentieren; evtl. etwas Wasser zugeben; manchmal tut das einem Whisky sehr gut und er öffnet sich mit all seinen Aromen und Facetten

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